Saatgutvielfalt retten: Tour macht Halt in Höxter

Saatgut ist die Quelle des Lebens. Deswegen ist es wichtig zu wissen, was damit passiert.Foto SaatgutTour Höxter v L Roters                                                                                                        (Foto von L.Roters)

Heute am 16. Januar 2014 stehen wir hier in Höxter, weil die Junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft mit ihrer Aktion darauf aufmerksam macht, dass die EU neue Regeln für den Umgang mit Saatgut plant.

Mit der Ankündigung der Europäischen Kommission, die Gesetze in Europa anzugleichen, besteht die Gefahr, dass vor allem große Konzerne das Recht erhalten, Saatgut zu züchten, zu vermehren, zu verkaufen und daran zu verdienen.

Mit mir sind sich viele Engagierte weltweit einig: die Saatgutrechte gehören in die Hände von Bauern und den bäuerlichen Betrieben.

Was für Jahrtausende die Aufgabe von Bauern und ihren Familien war, darf nicht in die Hände von Großkonzernen wie z.B. Monsanto, Syngenta, Bayer Crop Science oder KWS Saat AG fallen.

Diese Saatgut-Tour wehrt sich gegen die Schattenseiten der Globalisierung. Die weltweiten Essgewohnheiten führen dazu, dass unsere Nahrungspflanzen immer uniformer werden. Ein UN-Bericht (UNEP) weist darauf hin, dass es früher weltweit über 7000 Arten von Pflanzen gegeben hat, die der Menschheit als Nahrungsmittel genutzt haben. Heute sind nur noch 150 Sorten, die kommerziell genutzt werden. Reis, Mais und Weizen allein machen schon 60% der weltweiten Nahrungsmittel aus.
Die genetische Vielfalt, die es früher gab, existiert nicht mehr.
So ist allein die Zahl der verschiedenen Reissorten aus Sri Lanka von früheren 2000 auf weniger als 100 gesunken.

Diese Entwicklung sollte uns mit Sorge erfüllen.
Denn die Anfälligkeit solcher Sorten steigt, robuste Sorten fehlen, Krankheiten können sich ausbreiten und es gibt immer weniger Arten, die widerstandsfähig sind und für eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft taugen.

Doch es ist nicht nur der Mangel an Vielfalt, der Mangel an Diversität der sich heute in der Lebensmittelproduktion als zukunftsgefährdend darstellt.

In vielen Ländern der Erde – und hier spreche ich auch als ehemalige Bundespolitikerin und Entwicklungspolitische Sprecherin meiner Fraktion – werden neue Saatgut-Gesetze eingebracht.
Dies geschieht auch in z.B. in Indien. Dort entscheidet nicht mehr die kleinen Bauern darüber, welches Saatgut genutzt wird, sondern dies wird zum Recht von Konzernen.

Global agierende Konzerne bringen Saatgut mit Hybrid- und Turboarten auf den Markt, welches nicht mehr vervielfältigt werden darf und welches nur in Zusammenhang mit bestimmten Dünger und Pestiziden zum Wachstum gebracht werden kann. Aus dieser Abhängigkeit können sich einfache Farmer und ihre Familien nicht mehr befreien. In Indien haben sich über die letzten Jahre hinweg Tausende von Farmern aus Verzweiflung über diese ausweglose Situation das Leben genommen.

Je größer und einflussreicher die wenigen Konzerne auf die Saatgutherstellung werden, desto mehr drängen sie in den Ländern Afrikas einheimische Arten zurück, die es angepasst an den dortigen Boden, die unterschiedlichen Klimaeinflüsse und Befruchtungssysteme gibt.
Sterben diese aus, verschwindet Wissen und Nahrungsvielfalt, vergrößert sich die Gefahr von Nahrungsmittelknappheit und gefährdet das Leben, nicht nur der Menschen, sondern des gesamten Ökosystems.

Ich finde dieser Preis ist zu hoch. Die Richtung, die die EU nimmt, ist falsch, denn es geht auch anders: wir kämpfen für die gute Alternative!

Es braucht in Europa eine Saatgutpolitik, die die Sortenvielfalt erhält, den freien Zugang zu Saatgut gewährt, die Patente zurückdrängt und eine gentechnikfreie Landwirtschaft ermöglicht.

Gefördert werden muss die bäuerliche Landwirtschaft!
Erhaltet den Bauern die Saatgutrechte!

Siehe auch www.saatgut-tour.de und www.gruene-owl.de

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