Perspektive 2030 – 17 Ziele für die Nachhaltigkeit!

Mit Anregungen aus der Tagung „Nach dem Post-2015-Gipfel der UN“ in Berlin

Die Welt hat sich auf der UN-Vollversammlung im September 2015 eine neue Agenda und einen Zeitrahmen gegeben: 17 Nachhaltigkeitsziele, dazu gehörende 169 Unterziele und das Datum 2030. Kommt dies tatsächlich einer „Kopernikanische Wende“ nahe?

Bis in 15 Jahren wollen die Staaten erreichen, was seit 1992 mit der Rio-Konferenz für Umwelt und Entwicklung – zusammen mit mehr Geld – immer wieder vergeblich eingefordert wird:
Armut und Hunger beenden, ein gesundes Leben für alle, inklusive Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, Wasser und Sanitärversorgung sowie Energie für alle, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, Infrastruktur und Industrialisierung, Verringerung der Ungleichheit, inklusive Städtebauförderung, nachhaltiger Konsum- und Produktion, Bekämpfung des Klimawandels, Schutz der Meere, des Bodens und der Wälder, mehr Frieden und eine globale Partnerschaft.

Dies alles läuft jetzt unter dem Vorzeichen der 17 Nachhaltigkeitsziele, kurz SDG (Sustainable Development Goals).

Adolf Kloke-Lesch, Geschäftsführender Direktor des “ Sustainable Development Solutions Network“ (SDSN), nennt die Agenda „nicht weniger als eine Kopernikanische Wende“. Tatsächlich ist es gelungen, unter den Überschriften Menschen, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft die drei Bereiche Ökologie, Ökonomie und die soziale Frage zu verbinden. Die SDGs werden im Gegensatz zu den vorherigen Millenniumsentwicklungszielen (MDGs) für alle Länder weltweit gelten, also auch für Deutschland. Die SDGs fordern massive Veränderungen in der deutschen Politik ein und rufen dazu auf, die deutsche Politik internationaler zu machen. Im Bundestag hat die grüne Fraktion im September 2015 zu allen Zielen 17 Anträge eingereicht, die in den nächsten Monaten in den Ausschüssen diskutiert werden.

Wo konkret kann diese kopernikanische „Umänderung der Denkart“ positive Folgen haben? Was muss geschehen, damit die SDGs nicht nur Papier und Wolkenkuckucksheim bleiben, sondern treibende Kraft einer weltumfassenden Veränderung werden? Lohnt es sich überhaupt, sich dafür zu engagieren, wenn doch Widersprüchliches, Schwammiges und Altes in eine moderne Agenda gegossen ist, die zudem noch ohne echtes neues Geld auskommen muss?

Auf der Perspektivtagung der drei einladenden Organisationen Global Policy Forum, Forum Umwelt und Entwicklung und terre des hommes wurde 2 Tage lang (12.-13.10.2015) über Relevanz, Handlungsbedarf, Umsetzung, Reformen, Strategie und die Instrumente diskutiert. Über 130 Interessierte und NGO-Vertreter*innen setzten sich mit diesem neuen Abschnitt der Globalen Politik auseinander.

Es war eine sehr gelungene Tagung. Mit dem Input am ersten und der Diskussion über den Output am anderen Tag dienten die fundierten Referate der Orientierung. Allerdings wurde die neue Agenda von den Anwesenden eher routiniert betrachtet. Enthusiasmus sieht anders aus. Trotzdem setzte sich die Erkenntnis durch: Mit den SDGs hat eine neue Zeitrechnung begonnen.

Meiner Einschätzung nach haben die SDGs durchaus das Potential Deutschland aufzurütteln. Vor allem, weil sich unser Land jetzt international verantworten muss. Das Aufrütteln hatte z.B. bei PISA schon mal funktioniert, als sich das deutsche im Vergleich zu anderen Bildungs-Systemen nur als Mittelmaß herausstellte.

Für die Zivilgesellschaft gibt es eine Menge Anknüpfungspunkte, um mit unterschiedlichen Rollen und zielorientiert die nächsten 15 Jahre zu gestalten. Vor allem muss die Beteiligung der NGO-Gruppen am weiteren Prozess in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein. Dass die Bundesregierung auf die Partizipations-Bremse tritt, ist nicht hinnehmbar. Die Nachhaltigkeitsziele zu politisieren, Maßnahmen einzufordern und auf hohem Niveau Indikatoren für die Umsetzung zu etablieren, sollten die ersten Schritte sein.

Die SDGs sind seit September weltweit gültige Leitlinien. Sie begründen eine globale Agenda mit hohen Ansprüchen, denn es soll niemand zurückgelassen und die Ungleichheit zwischen den Staaten verringert werden. Die Umsetzung der 17 Ziele muss auch in und durch Deutschland geleistet werden. Der internationale Wettbewerb zur Erreichung dieser Ziele ist eröffnet. Jetzt braucht es eine Art olympischen Sportsgeist, der die teilnehmenden Staaten zu Höchstleistungen antreibt.

Zum Weiterlesen:

Beisheim, Marianne: Follow-Up und Review der Post-2015-Agenda. Steilvorlage für eine effektive Umsetzung der SDGs? Global Governance Spotlight, sef, 5/2015.

Kloke-Lesch, Adolf  : The G20 and the Sustainable Developement Goals (SDGs): Reflections on future role and tasks. Third Annual G20 Think Tank Summit „Global Governance and Open Economy“, July 30-August 1, 2015: http://unsdsn.org/news/2015/09/04/the-g20-and-the-sustainable-development-goals-sdgs-reflections-on-future-roles-and-tasks/

 

Share Button