Ecuador: Eindrücke der Sommerreise 2012 in den Amazonas/Yasuní

„Yasuní-ITT: It had changed the narrative” so die Bewertung von Ministerin Espinoza. Aber das heißt noch lange nicht, dass im Gebiet des Nationalparks Yasuní die Ölförderung beendet wird.

Es war meine erste touristische Reise nach Ecuador. Fünfmal habe ich innerhalb von 10 Jahren das Land besucht. Bei diesem Mal wollte ich auch einmal privat die Gelegenheit nutzen, auch außerhalb von politischen Pfaden Ecuador besser kennenzulernen. Dennoch spielte natürlich die Zukunft des Yasuní-Nationalparks eine wichtige Rolle auf der Reise.

Zusammen mit meinem Mann bereiste ich in den drei Wochen die Küste, den Amazonas und das Hochland. Die wichtigsten politischen Termine fanden in den ersten zwei Tagen statt. Bei unseren Treffen kamen wir auf höchster Ebene mit vier Ministerien zusammen, mit dem „General Manager“ von Petroamazonas, der Yasuni-ITT Beauftragten, dem deutschen Botschafter, aber auch VertreterInnen von NGOs, der Zivilgesellschaft, der GIZ, der Presse, der indigenen Gemeinde vor Ort, einer Frauenkooperative sowie der Bürgermeisterin von Coca.

Die wichtigste Frage lautete: „Wie steht es um den Nationalpark Yasuní?“ Dazu gehörte für uns die Einschätzung der aktuellen Situation der Yasuní-ITT-Initiative, wieviel Unterstützung es dafür im In- und Ausland gibt, aber auch, wie sich Ecuador auf die im Oktober anstehenden Regierungsverhandlungen mit Deutschland vorbereitet und welche Ideen zur Umsetzung des Schutzes des Yasuní kursieren.

Fazit: Es war beeindruckend, wie sehr diese spektakuläre Idee, das Öl im Block ITT (Ishpingo, Tambucocha, Tiputini) zu belassen, in Ecuador Rückhalt hatte. Auf unserer Reise haben wir immer wieder Hinweise befunden, dass weiterhin Werbung mit dem Begriff „Yasuní-ITT“ gemacht wird und dass mit Yasuní-ITT viel Hoffnung verbunden ist. Aber es war auch festzustellen, dass diese „Marke“ blasser wurde und Schwung verlieren hatte.

Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass eine ernstzunehmende internationale finanzielle Unterstützung bislang ausgeblieben. Nachdem Deutschland als Zugpferd ausgefallen ist, kommen nur kleinere Beiträge, vielfach privat, aufs Konto des Treuhandfonds. Das reicht aber nicht aus, um die ursprünglich anvisierte Summe (500 Mio. USD jährlich für fast zwei Jahrzehnte )zu erreichen. Die Zivilgesellschaft kritisierte, dass eine konzeptionelle Weiterentwicklung und Strategie der Idee bislang nicht stattgefunden hat, die Homepage wenig transparent über die tatsächlich eingezahlten Summen Auskunft gibt und man nicht wisse, welche Projekte mit den schon geflossenen Millionen in Ecuador vor Ort umgesetzt werden. Unter der Hand wurde erwartet, dass die Unterstützung für ITT bis zu den Präsidentschaftswahlen im März 2013 anhält, aber dann durch den voraussichtlichen Gewinner Rafael Correa ein Schlussstrich gezogen wird.

Cotopaxi

Cotopaxi

Kritische Ölförderung
Der Yasuní-Nationalpark bleibt durch die Ölförderung akut bedroht. Dies geschieht aktuell durch die schon länger stattfindende Ausbeutung durch Repsol-YPF in den Blöcken 14 und 16 (entlang der Maxus Road, auch im Gebiet der Huaroanis). Desweiteren sahen wir auf den Schiffen des Rio Napo Ausstattung für Ölbohrungen und die dafür notwendigen Pipelines in den Lagern, wahrscheinlich für den für den Herbst anvisierten Beginn der Erschließung des Blocks 31. Präsident Correa wies selbst darauf hin, dass er sich hier an alte Verträge gebunden fühlt und dies obwohl diese Ölfelder nur geringen Profit bedeuten. Die Zivilgesellschaft kritisierte, dass Petroamazonas für Block 31eigentlich eine neue Lizenz hätte beantragen müssen. Allerdings musste die Ölgesellschaft ihre Pläne für die Bohrtätigkeit unter ökologischen Auflagen verändern. Was das genau bedeutet, ist schwer zu sagen, aber es scheint zu Verbesserungen gekommen zu sein, da Auflagen durch das Umweltministerium gemacht worden sind. Die Gefahr für einen späteren Ausbau des sehr viel rentableren Blockes ITT ist meines Erachtens bislang nicht zu bannen.

Mit der Ölförderung und dem damit verbundenen Wege- und Straßennetz steigt die Bedrohung durch Abholzung, eines der größten Probleme von Ecuador. Die großen Bäume im Regenwald sind begehrt und sobald ein Abtransport durch ein ausgebautes Wegenetzorganisiert werden kann, findet der illegale Holzeinschlag statt. Die Parkwächter sind schlecht gerüstet. Ohne Helikopter oder Satellitenüberwachung, mit wenigen Leuten und rudimentären Strukturen kann der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt nicht wirklich gewährleistet werden. Zwar ist man an den 8-9 Stützpunkten engagiert, aber mit max. 32 Personen kann dieses Riesengebiet nicht wirklich vor dem Raubbau bewahrt werden. Hier müsste es eigentlich den politischen Willen geben, diesen Hot-Spot der Artenvielfalt massiv unter Schutz zu stellen. Aber mit scharfer Kritik sollten wir uns in Deutschland wohl zurückhalten. Denn wir schaffen es auch im eigenen Land nicht, unseren internationalen Verpflichtungen der Unterschutzstellung von Naturflächen durch Nationalparks (5% der Waldfläche) nach zu kommen (siehe das Scheitern der Einrichtung des Nationalparks Teutoburger Wald).

Die deutsche Unterstützung ist wichtig!
Die positive Nachricht ist, dass Deutschland durch die Initiativen aus dem Parlament bereit ist, mit 24,5 Mio. Euro einen bemerkenswerten Beitrag für das gesamte Gebiet, quasi die Biosphäre Yasuní, zu leisten. Dazu finden Anfang Oktober 2013 Regierungsverhandlungen statt. Noch hatte die ecuadorianische Seite keine konkreten Pläne vorgelegt, aber hier soll es jetzt zu einem vorbereitenden Austausch kommen. Deutschland hatte weiter 10 Mio. Euro für die Unterstützung des Programms Socio Bosque im Haushalt beschlossen. Doch das Programm hat inzwischen in Ecuador einen schlechten Ruf. Denn bei den Leuten kommt zu wenig Geld und Kompensation an, wenn sie sich auf 20 Jahre verpflichten, den Wald auf ihrem Eigentum stehen zu lassen. Zum anderen entsteht Streit, weil es Flächen gibt, die bislang gemeinschaftlich bewirtschaftet wurden. Diejenigen, die diese Flächen dann für sich reklamieren, ziehen sich den Zorn der anderen Mitglieder der Kommunen zu.

Ideen für Projekte:
Mir ist es wichtig, dass die finanzielle deutsche Unterstützung tatsächlich in der Region in und um den Yasuní-Nationalpark ankommt. Dafür müssen Projekte vor Ort und mit den Menschen entwickelt werden. Auch die Mittel aus dem Treuhandfonds sind ja dafür gedacht. Allerdings habe ich es bislang nicht mitbekommen, dass es tatsächlich schon konkrete Projekte gibt, die mit diesem Geld aktuell unterstützt werden.

Anangu Kichwa Gemeinde

Anangu Kichwa Gemeinde

In der Anangu-Kichwa-Gemeinde wurde mir allerdings von Plänen erzählt, die diese Gemeinschaft bisher entwickelt hat. Im Grunde ist es ein Dorfentwicklungsplan, der vorsieht, mit natürlichen Baustoffen Gebäude zu errichten, in denen nicht nur SchülerInnen und ihre LehrerInnen wohnen können, sondern auch ein Gesundheitszentrum mit Krankenstation eingerichtet werden kann. Außerdem möchte die Gemeinde es auch einheimischen TouristInnen mit weniger Geld ermöglichen, den Yasuní und seine Tier- und Pflanzenwelt kennenzulernen. Ein großes Bedürfnis war auch, nicht mehr das abgekochte Wasser aus dem Rio Napo trinken zu müssen, sondern endlich sauberes Trinkwasser zu haben.

Sacha Inchi Nüsse

Sacha Inchi Nüsse

Die nahe gelegene Stadt Coca hat eine rührige Bürgermeisterin. Anita Rivas ist eine gut organisierte Frau, die sich viel Mühe macht, auf die Bedürfnisse ihrer Bürgerinnen und Bürger einzugehen. So setzt sie sich u.a. für eine Frauenkooperative ein oder wirbt für den Direktvertrieb der vollwertigen Sacha-Inchi-Nüssen. Krankenhaus und Busbahnhof werden neu gebaut, auch die Straßen ausgebaut, wovon allerdings auch die illegalen Holzdiebe und die Ölfördergesellschaften profitieren. Coca ist auf dem Weg entweder zum Einfallstor für die weitere Ausbeutung des Regenwalds zu werden oder zum nachhaltigen Nationalparktor in die artenreiche Welt des Amazonas. Deswegen kann es einen Unterschied machen, ob und wie die Mittel aus Deutschland eingesetzt werden. Die Verbesserung der Bewachung durch die ebenfalls in Coca ansässige Nationalparkverwaltung muss deshalb ebenfalls in die Überlegungen mit einbezogen werden.

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