Den Apfel werfen – 50 Jahre Deutsches Institut für Entwicklungspolitik

Tagung 4.-5.September 2014

Podien zeichnen sich für gewöhnlich nicht durch Aktivitäten aus – umso überraschender war es, als Max Schön zur Unterstreichung seiner Argumente der Moderatorin Inge Kaul einen Apfel zuwarf. Sie fing ihn auf, lachte überrascht, und das „apple throwing“ war als Leitmotiv für die Debatte geboren.
Es war das letzte Podium der zweitägigen Jubiläumsfeier am Bonner Rheinufer. Und es sollte einen Ausblick auf das Jahr 2064 bieten – also auf ein DIE in 50 Jahren. Selbstverständlich ging es auch um die Existenzfrage, wie die ganzen Verwerfungen unserer Zeit umgemünzt werden in das, was heute als stabil und nachhaltig gehandelt wird.
Hängengeblieben ist mir das „Apfelwerfen“ als die schönste Geste der Veranstaltung. Zeigt sie doch symbolisch, worum es in Zukunft geht: überraschendes in Gang setzen, andere einbeziehen und motivieren. Außerdem schmeckt das Obst auch noch gut!
Max Schön, als Vertreter der Unternehmer für Klimaschutz der Stiftung 2Grad, gelang mit diesem kleinen Clou ein eleganter Bezug zum Einstieg von Inge Kaul. Sie hatte argumentiert, dass Geschichte niemals still stehe.  Deshalb sei es verwunderlich, wie überrascht wir über die Entwicklungen der Welt sind. Und irritierend sei es auch, wie wenig die Ereignisse im globalen Süden hier im (provinziellen? Anm.d.A.) Norden diskutiert werden.
Flankiert von Thomas Loster (Münchner Rückversicherung) und Jörg Faust (DIE), die viel kritisches zum Zustand der Welt anmerkten, war dieses Podiums offensiv darin, die Konfrontation von „decision maker“ einzufordern. Es sei leider erst immer die Krise, die zu Veränderungen auffordert. Dankbar war ich Simon Maxwell, der in die Diskussion kritisch einwarf, doch nicht die Rolle des Technologiewandels zu vergessen.
„Development is a dying topic“: diese Bewertung der alten Form von Entwicklungspolitik  fand ebenso ihren Platz , wie auch der Hinweis, dass neue Formen der Kooperation sich beginnen zu etablieren. Die Visionen allerdings, die es braucht, um die Krisen dieser Welt aufzufangen, die brauchen weiterhin Forschung, Kommunikation und internationale Vernetzung.
Mir stellt sich verschärft die Frage, wie dieses Wissen praktische Verbreitung findet. Wenn die Erkenntnisse so weit gediehen sind, warum funktioniert die Realisierung der Veränderung nicht? Warum tut sich angesichts der drohenden Katastrophen nichts? Maxwell brachte die ignorante Klimafolgenpolitik auf die Punkt: „Hell does not sell!“. Nun – was tun?
Dirk Messner, Direktor des DIE und bekennender Optimist, und Imme Scholz als Stellvertreterin, liessen Resignation nicht zu.  Immer wieder wurde auf den Podien Chancen und Möglichkeiten angesprochen, was sich verändern liesse, wo es Anknüpfungspunkte gäbe und was sich international doch schon alles bewegt. Das war gewinnend, auf einem sehr guten Niveau und dem Jubiläum angemessen. Aber ist das auf Dauer ausreichend? Könnte solch ein Institut nicht doch noch andere Anstöße liefern? Die Praxis mit bewegen? Wäre das zu viel verlangt?

Mich motiviert die Aufforderung von Inge Kaul, die „Apfelwerfer“ zu suchen. Ja, eine andere Zukunft zu gestalten, das muss aufgegriffen werden. Der Auftrag lautet, diese Lücken zu schließen.

DIE SchnappschussmitDirkMessner14Das Publikum und ein entspannter Dirk Messner am Ende der Tagung (Foto privat)
Siehe auch: www.die-gdi.de/en/50-years

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